- Heute, Donnerstag, 10. September 2026, Eröffnung!
Der Kunstpalast in Düsseldorf hat in den letzten Jahren aufsehenerregende Ausstellungen. Die neue möchte gerne der Nachfolger von Yayoi Kusama im Museum Ludwig in Köln sein.
Potenzial dafür hat Niki de Saint Phalle mit ihren schaurig-schreienden Körpern. Nur ist die Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf klein. Zu klein für die Figuren von Niki de Saint Phalle. Man geht hinein und ist schon fast wieder draußen.
Niki de Saint Phalle. Dream Machine. Kunstpalast, Düsseldorf. (C) Vera Kriebel, 9.9.2026 |
Niki de Saint Phalle in der Diaspora
Farbenfroh, große Brüste, breite Hüften - die sexualisierten Großskulpturen von Niki de Saint Phalle sind üppig und schreien in jeder Beziehung nach Aufmerksamkeit. In den 1960er bis 1980er Jahren haben sie jede Menge Wut-Bürger aufgerührt, Augen überquellen lassen, Penisse aufgerichtet.
In einer verdreckten, schmutzigen, heruntergekommen Stadt wie Duisburg (der Tatort "Ruhrort" hat den Ruhrgebiets-Charme wirklich gut herübergebracht) wirkt der bunter Lifesaver-Brunnen heute noch wie ein ausgebrochenes Tier eines Walt Disney Parks.
Warum ausgerechnet die biedere Stadt Hannover zum Zentrum des Werks von Niki de Saint Phalle wurde, versteht auch keiner, weswegen es der Direktor des Sprengelmuseums, Reinhard Spieler, immer wieder erklären muss. Auch in Düsseldorf. Hannover war eine der ersten deutschen Städte, die Angang der 1970er Jahre zeitgenössische Straßenkunst installierten, 1974 auch bunte Nanas von Niki des Saint Phalle. Worauf Proteste und Gegenproteste folgten, die letztlich - so Spieler, durch ein Tauziehen zugunsten der Nanas entschieden wurden. Dass ausgerechnet Hannover dann im Jahr 2000 auch einen großen Teil ihrer Werke erhielt, kann daran gelegen haben, dass de Saint Phalle so beeindruckt von dieser Kunst-Auseinandersetzung war oder auch daran, dass das Pariser Centre Pompidou sich eher weniger interessiert zeigte ...
- Der Name "de Saint Phalle" ist übrigens kein Künstlername, obwohl er das Werk treffend bezeichnen würde, sondern tatsächlich ein Teil des Familiennamens von Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle, so der vollständige bürgerlich Name von Niki de Saint Phalle.
Niki de Saint Phalle im Kunstpalast
In Düsseldorf setzt man auf eine Kabinett-Schau, mit Bildnissen, kleineren Skulpturen, Marketingartikeln der Künstlerin, die sich selbst schon früh zu vermarkten begann.
Die Schau in Düsseldorf zeigt nicht nur die in ihrer Buntheit überschäumenden Werke, sondern auch einige, die Spießertum, Kirche oder die Geburt thematisieren.
Niki des Saint Phalle ist - wie die gesamte Künstler-Generation der 1960er Jahre - ihrer Zeit voraus gewesen.
Wer nicht genau hinschaut, sieht viel traditionellen, abgegriffenen Sexismus. Die üppigen Figuren erinnern an minoische Göttinnen. Und viel Kindliches spielt mit: Die bunten Farben, die übertriebenen Formen, das Grauen eines kindlichen Albtraums, die verspielte Lust und Freude. Die Skulpturen wirken weiblich, sind aber oft im heutigen Sinne "divers": Phalli wachsen aus den Frauenkörpern, Gesichtszüge und Äußeres sind androgyn.
- Nathalie Djurberg/Hans Berg setzen heute die gruseligen Szenen von Spießertum, Sexismus, Missbrauch, Geburt mit sehr ähnlichen Figuren in ihren Videos um. In der Julia Stoschek Collection lassen sich einige ihrer Videos ansehen, zum Beispiel The Experiment.
Mag ich Niki de Saint Phalle?
Zugegeben: Ich mochte Niki de Saint Phalle eigentlich noch nie. Zu laut, zu schreiend, zu bunt, kindlich, schematisch ...
Das ist aber kein Grund, nicht in die Ausstellung des Kunstpalasts zu gehen.
Ein Grund ist allerdings, dass der Kunstpalast es nicht schafft, die Faszination zu wecken, die von ihrem Werk ausgehen mag. Die Schau ist etwas langweilig und überzeugt nicht.
Ein Grund ist allerdings, dass der Kunstpalast es nicht schafft, die Faszination zu wecken, die von ihrem Werk ausgehen mag. Die Schau ist etwas langweilig und überzeugt nicht.
Man habe "vier Jahre an der Ausstellung gearbeitet." Das ist viel für zu wenig.
Der Kunstpalast macht wie so oft viel Wind - und zeigt dann flaue Allgemeinplätze.
Mit der Yayoi Kusama - Schau in Köln ist sie nicht vergleichbar.
- Zu beidem gibt es auf der Seite von Martin Merz RBW einen Bericht mit Fotos:
Niki de Saint Phalle und Yayoi Kusama.
Infos zu Niki de Saint Phalle. Dream Machine im Museum Kunstpalast in Düsseldorf
Niki de Saint Phalle. Dream Machine. Kunstpalast, Düsseldorf. (C) Vera Kriebel, 9.9.2026 |
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