Donnerstag, 10. September 2015

China 8 in Gelsenkirchen: Wogende Bäume, Spiellandschaften und Horrorhase

Der sechste Standort: Gelsenkirchen. China8 in Gelsenkirchen mit viel China-Klassik, darunter dekorative Zeichen, ein ziseliertes Tierchen, Tusche hinter (oder vor) profaner Gegend, Seidenpapier (das aber eigentlich zerrissene Plastiktüten ist) und Porzellan.

Qiu Zhijie: The inexistent traveller
China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
15.05.-13.09.2015


Der sechste Standort für den unermüdlichen China8-Schreiberling ist Gelsenkirchen, genauer: Gelsenkirchen-Buer.

Im Villaaltbau des Kunstmuseums finden sich: Rückblicke auf die Tradition in Form von
  • ebenso liebevoll wie minutiös getuschten Landkarten (Qiu Zhijie) oder
  • Videolandschaften (Yang Yongliang) (zu beiden unten noch eine Anmerkung),
  • kalligraphisch übermalte Körper und Kalligraphie-Paravents (Wang Dongling),
  • handwerklich herrlich gefertigten schwarzen Porzellan-Tropfen (Liu Jianhua), die einen angemesseneren Standort verdient hätten,
  • einem schon gruselig-meisterhaften Hasen-Protrait (Shao Fan), einem Hasen, der so ernst und stier, so unbeteiligt durch den Betrachter hindurchblickt, der so unhasig ist, dass die begründete Furcht aufkommt, dass er den Betrachter gleich verspeisen oder auffressen wird, und der einem ganz anders und doch ähnlich im MKM Duisburg wiederbegegnet (übrigens erinnert er - vielleicht wegen des Schauers, der einem unwillkürlich beim Anblick den Rücken hinunterkriecht - an die australischen Kaninchen von Taryn Simons "A Living Man Declared Dead and Other Chapters", Kap. VI),
  • vom leicht übersehbaren, aber hier bewusst hervorgehobenen wogenden Blätterwald im Minivideo von Frank Tang,
video 
Frank Tang: Impression MappingChina 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
15.05.-13.09.2015


    • auf Pergamentrollen gezeichneten, eher niedlichen chinesischen Stadtlandschaften (Miao Xiaochun), der im NRW-Forum Düsseldorf mit einem spektakulär meisterhaften, aber so völlig anderen Film vertreten ist, dass man kaum glauben mag, dass die beiden Werke von ein und demselben Menschen stammen sollen, und
    • von einer - erstaunlicherweise (bitte umdrehen und drumherumgehen!) mit orangegelben und blauen Plastiktüten (Seidenpapier hätte besser gepasst) colorierten - chinesischen Kulturlandschaftzeichnung (Xu Bing), der im Lehmbruckmuseum "irgendwie wstlicher und moderner" mit seinem Tobacco-Project vertreten ist.
      (Die "2 Seelen (oder Kunststile) in seiner Brust" - ein rekurrierendes Muster also für den Betrachter: Auch die Stillleben in Marl und sein eher konventionell-aggressives Video im NRW-Forum schreibt man nicht unbedingt einem einzigen Kunstschaffenden, nämlich Wang Gongxin, zu. Shao Fan (der mit dem Horror-Hasen) ist in Hagen mit einer Installation vertreten, die mit ihren wie in der klassischen chinesischen Kalligraphie geziert aufgehängten halbrunden Hörnchen (=Stuhlteilen) so langweilig wirkt, dass man auch achtlos daran vorbeigehen kann, wobei bei beidem der akribische Klassizismus geradezu gefeiert wird.)


      Aus dem (inzwischen beim Besucher ausgebildeten chinesischen) Rahmen (auch Schublade genannt) fallen der afrikanisch bunte Urwald-Reigen von Sun Xun oder Wu Yimings Camouflage (Fotos unten), beide aber von eher seichter Qualität.
      Die Landkarte von Qiu Zhijie ist nur auf den ersten Blick Vorlage für das Chinareisen-Spiel à la Ravensburger, mit dem wir Älteren vielleicht lieber gespielt hätten statt mit der Deutschlandreise-Unterlage. Es ist ein Wunderland ohne echte Geographie, dafür mit umso mehr Landmarken namens "Natural Disaster", "Water Control", "Ghost"- tatsächlich also eine Spielkarte. Eines Horrorspiels um kapitalistische Ausbeutung eines Landes und seiner natürlichen Ressourcen?

      Yang Yongliangs Videolandschaft gibt es gleich dreimal nebeneinander: Eine klassische chinesische Tuschelandschaft, in die der Film zum Alltag einer modernen chinesischen Großstadt mit Baustellen und Verkehr und Lärm eingewoben ist. Auch hier also nur eine nicht einmal oberflächliche Idyllle.

      Yang Yongliang: Rising Mist
      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015

      Weiteres vom Schreiberling zur China 8


      Infos zu "Paradigmen der Kunst – Installation und Objekte"  

      • Kunstmuseum Gelsenkirchen: Infos bei China8
      • Laufzeit: 15. Mai bis 13. September 2015. 
      • Kurator: Dan Xu.
      • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11–18 Uhr, Montag geschlossen.
      • Eintrittspreise: freier Eintritt! China8-Kombi-Ticket 18 €, ermäßigt 10 € (online auf China8.de). Gilt für alle China8-Ausstellungen und für die gesamte Laufzeit (darin enthalten auch die Shuttle-Busse).
      • Am Wochenende kostenlose Shuttle-Busse zu allen Standorten (Download Fahrpläne). Da man so bei der Ruhrgebietsquerung einige Stündchen im Bus sitzen dürfte, ist es gut, dass Guides mitfahren und schon einmal Infos zum nächsten Museum geben. 
      • Katalog zur Gesamtausstellung 39,- 

      Shao Fan: Portrait
      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015

      Künstler 

      Frank Tang, Lin Xue, Liu Jianhua, Miao Xiaochun, Qiu Zhijie, Shao Fan, Sun Xun, Wang Dongling, Wu Yiming, Xu Bing, Yang Yongliang, Zhu Wei.

      Fotos

      Sofern nichts anderes erwähnt Fotos (c) Vera Kriebel, 31.7.2015, China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen: Tradition Heute – Tuschemalerei und Kalligrafie, 15. Mai bis 13. September 2015.

      Wang Dongling
      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015

      Liu Jianhua: Trace
      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015


      Liu Jianhua: Trace
      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015


      Liu Jianhua: TraceChina 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015


      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015

      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015
      Qiu Zhijie: The inexistent traveller
      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015

      Shao Fan: Portrait
      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015


      Yang Yongliang: Rising Mist
      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015



      Miao Xiaochun: Bejing Handscroll
      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015

      Miao Xiaochun: Bejing Handscroll
      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015

      Miao Xiaochun: Bejing Handscroll
      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015

      Sun Xun: The Night of Time Vivarium
      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015


      Xu Bing: Background Story Lu Mountain
      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015

      Xu Bing: Background Story Lu Mountain
      China 8, Kunstmuseum Gelsenkirchen
      15.05.-13.09.2015


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